Debatte in KölnDie (erneuerbare) Zukunft des Rheinischen Reviers

Debatte in Köln: Die (erneuerbare) Zukunft des Rheinischen Reviers

Was kommt nach der Braunkohle? Das ist nach der Vorlage der Empfehlungen der Kohlekommission an die Bundesregierung die große Frage, die besonders die Menschen in den deutschen Tagebauregionen beschäftigt. Und so drängten sich gestern Abend rund 250 Menschen im „Cinenova“-Kino in Köln-Ehrenfeld bei der Diskussion „Raus aus der Kohle – Chance für das Rheinische Revier“, bei der Greenpeace Energy auch sein Konzept der ReinRevierWende vorstellte.

Wieso ein rascher Ausstieg aus der Kohle unabdingbar ist, erklärte zum Einstieg in den Abend Volker Quaschning in seinem Vortrag „Deichbau oder Kohleausstieg? Warum in 10 Jahren mit der Kohle Schluss sein muss!“ Der Professor von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (HTW) ist wie kaum ein anderer Wissenschaftler in der Lage, komplexe Themen wie Klimaforschung und Handlungsoptionen der Politik anschaulich zu präsentieren. Eigentlich, so der Energiewende-Experte, verfügen wir über alle Mittel, um das 1,5-Grad-Ziel des Klimagipfels von Paris zu erreichen. Doch der Politik fehle der Mut, konsequent zu handeln. „Dabei bleibt uns nur noch wenig Zeit“, erklärte Quaschning, „wir müssen die globalen CO2-Emissionen aus der Stromproduktion, dem Verkehr, der Industrie und Wärmeerzeugung bis 2040 auf Null senken.“ Mit der Kohle, so Quaschnings Fazit, müsse schon bis 2030 Schluss sein. Ein Herausforderung, ja. Aber eine, die zu schaffen sei!

Dass ein Kohleausstieg bis 2038, wie als Kompromiss der Kohlekommission vorgeschlagen, zu spät komme, darin waren sich fast alle Teilnehmer auf dem Podium einig. „Immerhin“, so Antje Grothus von Buirer für Buir, die in der Kohlekommission die Interessen der Rheinischen Tagebauanrainer vertrat, „der vorher kaum vorstellbare Einstieg in den Ausstieg ist geschafft und wir haben zudem die reale Chance, den Hambacher Wald und die vom Abriss bedrohten Dörfer zu bewahren.“ Das Revier müsse nun zur Energiewende-Region umgebaut werden. „RWE darf diesen Prozess nicht blockieren“, forderte Grothus, „die Menschen hier verdienen diese Chance auf eine bessere Zukunft.“

Frank Schillig vom Veranstalter Energiegewinner plädierte dafür, Solaranlagen auf möglichst viele Dächer in der Region zu bauen und so den Erneuerbaren-Ausbau voranzutreiben: „Wir müssen die Energiewende in die eigenen Hände nehmen.“

Das umfassendere Konzept einer ReinRevierWende präsentierte Michael Friedrich als Vertreter von Greenpeace Energy: Darin hatte die Energiegenossenschaft im November 2018 vorgeschlagen, im Rahmen eines groß angelegten Bürgerenergie-Engagements von 2020 an die Kraftwerke und Tagebau von RWE stufenweise zu übernehmen und bis 2025 stillzulegen. Anstelle der CO2-intensiven Kohlemeiler sollen bis 2029 auf den ehemaligen Tagebauflächen 3,8 Gigawatt an Windkraftanlagen sowie 4.4 Gigawatt an Solarkraftwerken installiert werden. „Wenn unsere Pläne umgesetzt werden, bringt dies maximalen Nutzen für die Menschen im Rheinischen Revier“, sagte Friedrich, „denn über die Zukunft ihrer Region bestimmen dann die BürgerInnen, die Gemeinden und Landkreise dort selbst.“ Sie profitierten dann auch von den Einnahmen aus dem Verkauf des erneuerbaren Stroms und der Verpachtung der Flächen, es entstünden zahlreiche neue Arbeitsplätze. Auch Entlassungen von RWE-Beschäftigten könnten im Rahmen der ReinRevierWende vermieden werden.

„Die ReinRevierWende halte ich für absolut realisierbar“, lobte HTW-Professor Volker Quaschning das Konzept. „Und seine Umsetzung wäre zur Vermeidung der Klimakrise wichtig: Denn dann würden zusätzlich zum bislang von der Bundesregierung geplanten, aber viel zu niedrigen Erneuerbare-Energien-Ausbau weitere 8,2 GW an Solar- und Windenergieanlagen entstehen, die sauberen Strom produzieren und damit einen spürbaren Beitrag zur Verringerung der deutschen CO2-Emissionen leisten würden.“

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