Wie geht der Strukturwandel voran?Bürgerenergie fürs Rheinische Revier

Die Braunkohle-Kraftwerke und -Tagebaue im Rheinland werden stillgelegt, soviel steht fest. Aber bis wann? Und in welchem Tempo und Umfang sollen Erneuerbare Energien an ihre Stelle treten? Dafür gibt es bisher keinen Plan. Doch die Bürgerinnen und Bürgerwollen wollen über die Zukunft des Rheinischen Reviers aktiv mitbestimmen. Viele der Initiativen und Interessen bündelt der Zivilgesellschaftliche Koordinierungskreis Strukturwandel, der nun eigene Pläne für eine nachhaltige Zukunft der Region entwickelt – Bürger-Energie im besten Sinne. Greenpeace Energy stellte im Revier jüngst frische Ideen für eine ReinRevierWende vor, den Ausbau von Wind- und Solarenergie auf ehemaligen Tagebauflächen.

Das Spektrum reicht vom friedlichen Baumhaus-Bewohner im Hambacher Wald bis zum distinguierten Anwalt, von der erfahrenen Kommunalpolitikerin bis zur jungen Umweltaktivistin. Beim großen Stuhlkreis im Gemeindezentrum Buir, nur ein paar Hundert Meter von der Kante des Tagebaus Hambach entfernt, reden sie alle auf Augenhöhe, konzentiriert und konstruktiv. Im Zivilgesellschaftlichen Koordinierungskreis Strukturwandel tauschen sie sich regelmäßig aus über Neuigkeiten zum Hambacher Wald, zur Lage in den von Räumung bedrohten Dörfern, zum Vorgehen von RWE, das trotz des Kohlekompromisses weiter Kirchen und Häuser abreißen will, das sich mit einem der gigantischen Schaufelradbagger bis auf 150, 200 Meter an den umkämpften Wald herangefressen hat, das Leuten, die sich bisher nicht aus ihren Häusern vertreiben ließen, auf einmal „gigantische Angebote“ macht, um den Widerstand mit Geld zu ersticken.

Auch wenn in diesem Kreis fast 30 Organisationen vertreten sind – Kirchenkreise, Erneuerbare-Energien-Vereine, Umweltgruppen, Dorfschützer, Anti-Braunkohle-Initiativen – auch wenn sich hier enorme Expertise ballt, die versammelte Bürger*innen-Energie wird arg strapaziert. Denn im Kampf um einen nachhaltigen Strukurwandel bündelt sich eines der großen Themen unserer Zeit – es geht um Klimaschutz und Energiewende, um Braunkohle-Ausstieg und erneuerbare Alternativen für unser Energiesystem, um die Art, wie wir künftig leben wollen, um den Zustand, in dem wir unseren Planeten an die Fridays-for-Future-Generation übergeben werden. Eine Vielzahl komplexer Aspekte, die zügig analysiert und in Strategien übersetzt werden müssen – und dies alles in ehrenamtlichem Engagement.

Und zugleich organsieren die Aktivist*innen den Widerstand gegen Räumung der Dörfer mit und wehren sich im Bündnis friedlich gegen die jüngsten RWE-Attacken auf den „Hambi“ – zum Beispiel mit einer „Roten Linie“ gegen den Bagger am 12. Mai.

Entsprechend groß war unser Respekt, als wir mit dieser Runde jüngst darüber sprachen, wie es gelingen kann, die jetzigen Tagebauflächen im Besitz von RWE in großem Umfang für den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie zu sichern und dieses riesige Potenzial im Rahmen von regional verankerten Bürgerenergie-Projekten mit maximalem Nutzen für die Region zu nutzen. Denn dies ist auch eines der zentralen Interessen der Menschen in der Region. „Ein Ausstieg aus der Kohle und der Strukturwandel hier im Revier kann ohne den Umbau der fossilen Energiestruktur zu einer nachhaltigen, erneuerbaren und dezentralen Energieproduktion in der Hand von Bürgerinnen und Bürgern nicht gelingen“, sagt Antje Grothus von der Initative Buirer für Buir, die als Vertreterin der Braunkohle-Anrainer in die Kohlekommission berufen wurde, „deshalb gehört eine neu gedachte Energiewirtschaft in unserem Strukturwandel-Konzept zu den zentralen Aspekten.“

Zurück zum Pressearchiv